Wie ich zufällig in einen Spinning-Kurs geraten bin…

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Wie ihr wahrscheinlich schon gelesen habt, trainiere ich aktuell für einen Triathlon. Da ich es nicht so einfach finde neben meinem Job und anderen Verpflichtungen gute Radstrecken für das Radtraining ausfindig zu machen, kam mir die Idee, an einem fahrradbasierten Kurs in meinem Fitnessstudio teilzunehmen.

Der Plan

Als ich den Kursplan durchstöberte, fand ich einen Kurs namens „Energy Cycling“. Mein Fitnessstudio befand es nicht für nötig den Kurs näher zu beschreiben, daher beschloss ich dem Ganzen eine Chance zu geben und herauszufinden, ob der Kurs zukünftig in meine Trainingsroutine eingebaut werden kann.

Ich habe mich also auf mein Fahrrad geschwungen und bin ins Fitnessstudio gefahren. Im Kursraum angekommen, schwante mir schon Böses. Einige motivierte Teilnehmer hatten das Trainingsfahrrad schon von hinten in die erste Reihe gewuchtet. Ausgestattet mit Fahrradanzug und Schuhen für Klickpedalen wurde sich vorne schon mal aufgewärmt.

Als Laie unter Profis

Ich ging zu den Spinning-Rädern und war darauf bedacht möglichst unauffällig ein Rad in eine der Reihen zu bewegen. Das Teil hatte zwar zwei Rollen, mir war aber nicht klar, von welcher Seite ich es am besten nach oben auf die Rollen stemmen sollte. Neben mir kippte eine durchtrainierte Frau das Rad wie im Schlaf auf die Rollen und fuhr damit durch den Kursraum spazieren. Nicht so ich. Ich hievte das Gerät halb auf den Rollen halb auf dem Boden schleifend mit einem unangenehmen Nebengeräusch ein paar Meter weiter in den Kursraum, wo ich dann beschloss, dass die letzte Reihe für mich ausreichend Sicht auf den Trainer bieten würde.

Der nächste Schritt war die richtige Einstellung des Sattels. Immerhin hatte ich schon mal gehört, dass das Ding circa auf Hüfthöhe sein muss. Nachdem ich meinen Sattel eingestellt und Probe gesessen hatte, sah ich den Trainer (Körperfettanteil: 4%, Outfit: Fahrradanzug) durch die Reihen gehen und dem ein oder anderen Tipps zur Einstellung geben. Da ich mir unsicher war, ob ich den Lenker auf die richtige Höhe eingestellt hatte, winkte ich ihm kurzerhand hilflos zu.

Ein lockeres Training…

Ob ich schon mal beim Spinning war, lautete seine erste Frage. „Ich habe mit 18 mal auf so einem Rad gesessen und ein bisschen das Drehrad verstellt…“, gab ich zu Protokoll. Er half mir das Rad einzustellen und meinte, ich solle heute erstmal ganz locker mitmachen. Klingt vernünftig! Erstmal das Rad kennen lernen. Immerhin wollte ich danach noch eine Runde schwimmen gehen!

Schon mal vorweg: In welchem Leben sein Training als „locker“ zu bezeichnen ist, weiß ich bis heute nicht…

Jetzt ging es los! Die Technomucke wurde lauter gedreht und die erste Anweisung lautete schnell in die Pedale (noch ohne eingestellten Widerstand) zu treten. Ohne den Widerstand hatte ich bei jeder Umdrehung das Gefühl vom Rad zu hüpfen. Wer von euch schon einmal auf einem Spinning-Rad gesessen hat, kennt das Gefühl bestimmt. Dies kann man nämlich nicht mit einem normalen Fahrrad vergleichen.

Das Training ging weiter: Sitzen – Stehen – Sitzen – Stehen. Mein Sattel war irgendwie doch zu hoch eingestellt, aber jetzt einfach mittendrin absteigen? Der Trainer hatte mich im Auge.

…außerhalb jeglicher Komfortzone.

Als nächstes sollte der „Feldberg“ erklommen – also Widerstand eingestellt – werden. Da ich im Übermut zu weit nach rechts gedreht hatte und gar nicht mehr „voran“ kam, drehte ich wieder etwas Widerstand raus. Genau das sah dann aber leider auch der Trainer und kommentierte die Aktion prompt durch den ganzen Kursraum. Ich hatte das Gefühl, dass er jede Bewegung der Teilnehmer genauestens beobachtete. Nachdem die Bergetappe geschafft war, kam er zu mir und fragte, ob alles okay ist. Ich verwies auf die Sattelhöhe und war erleichtert nun die richtige Einstellung und damit eine Sorge weniger zu haben.

Der Trainer kam im Laufe der Stunde noch öfters zu mir, um mich zu motivieren, mehr Widerstand einzustellen und schneller zu treten. Er sagte, dass man in seinem Kurs an die Grenzen und aus der Komfortzone gehen müsse. Meine Komfortzone hatte ich schon lange verlassen…

Es folgten verschiedene Bergetappen und Talfahrten. Zwischendurch sah ich, wie ein Teilnehmer während des Tretens ein Bein auf das Rad legte und sich einen Krampf raus dehnte. Mit dem anderen Bein trat er weiterhin wie ein Irrer in die Pedale.

Die Stunde fühlte sich an wie eine Ewigkeit. Als es endlich geschafft war, war ich klitschnass. Einer der Teilnehmer lag regungslos auf dem Boden.

Jetzt das Rad wieder zurück hieven. Meine Beine fühlten sich wie Wackelpudding an. Ich nahm alle Kraft zusammen und stemmte das Fahrrad mit dem Lenker nach unten und schob es (dieses Mal sehr viel galanter 🙂 ) zurück an seinen Platz und stolperte nach Luft ringend aus dem Kursraum.

Mein Fazit

Ich hatte schon viel vom Spinning gehört und wie anstrengend es sein soll. Dies kann ich zu 100% bestätigen. Obwohl ich mich als sportlich fit bezeichnen würde, hatte ich das Gefühl, noch nie vorher Sport gemacht zu haben. Ein Blick auf die Pulsuhr verriet mir, dass ich während der Bergetappen einen Puls von um die 180 Schläge/Minute hatte. So einen hohen Puls erreiche ich beim Laufen sonst nur im Sprint.

Allerdings habe ich mich nach dem Kurs auch sehr gut und frei gefühlt und denke, dass es ab und zu eingestreut, eine super Möglichkeit ist, seine Ausdauer und Muskulatur zu stärken. Trotz der für mich hohen Belastung reizt es mich auf jeden Fall den Kurs weiterhin regelmäßig zu besuchen und mich zu verbessern. Es ist praktisch, dass man durch die individuelle Widerstandseinstellung mit der Zeit doch ganz gut das Training auf das eigene Fitnesslevel abstimmen kann. Insgesamt würde ich einem Anfänger allerdings nicht raten seine erste sportliche Erfahrung beim Spinning zu sammeln.

Schwimmen bin ich danach übrigens trotzdem noch gegangen 😉

M


Weitere Blogposts zum Thema Triathlon-Training findet ihr hier:

Mein erster Triathlon – die Entscheidung

Mein erster Triathlon – das Lauftraining

3 Kommentare zu „Wie ich zufällig in einen Spinning-Kurs geraten bin…

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